
Christoph Probst – Widerstandskämpfer der Weissen Rose in Lermoos
Christoph Probst wurde 1919 in Murnau geboren und verbrachte dort mit seiner älteren Schwester Angelika seine frühe Kindheit. Sein Vater Hermann Probst war Privatgelehrter und seine Mutter Katharina Probst eine Lehrerin. 1921 gingen seine Eltern jedoch getrennte Wege und sein Vater heiratete Elise Rosenthal, die eine Jüdin war. Christoph Probst erfuhr dadurch konkrete Bedrohungen durch das NS-Regime. Zuerst wuchs er bei seiner Mutter in Murnau auf, später dann bei seinem Vater in Oberstdorf und Ruhpolding. Im Jahre 1936 verübte sein schwer depressiver Vater Selbstmord. Danach lebte er wieder bei seiner Mutter in Wolkersdorf bei Nürnberg. Die enge Beziehung zu seiner Stiefmutter blieb jedoch weiterhin bestehen. Seine Schulzeit verbrachte Probst in den Landschulheimen Marquartstein und Schondorf.
1934 tritt Christoph Probst in die Hitlerjugend ein, jedoch interessierten ihn die Aktivitäten der Gruppe gänzlich wenig. Die Verpflichtungen und den Schulalltag, der sehr stark vom Nationalsozialismus geprägt war, erlebte er als Beschränkung seiner persönlichen Freiheit. Er schrieb in einem Brief:
„Man wird im Leben doch immer zu dem gezwungen, was man nicht will. Aber ich werde einmal meine Wünsche zu realisieren wissen – ganz bestimmt.“
Im Jahre 1935 zog seine Mutter nach München um. Er besuchte dort das Realgymnasium, absolvierte das Abitur und lernte Alexander Schmorell kennen, der ein enger Freund wurde. Danach war er für ein halbes Jahr im Reichsarbeitsdienst tätig und trat im November seinen Wehrdienst in der Luftwaffenkaserne in München Freimann an.
Als ausgebildeter Sanitätssoldat verließ er 1939 den Wehrdienst im Fliegerhorst Schleißheim und begann sein Medizinstudium an der Universität in München.
Zu Beginn des Krieges war er Angehöriger der Studentenkompanie der Luftwaffe und Unteroffizier der Luftgausanitätsabteilung 7. Sein Studium wurde dadurch immer wieder durch Einsätze unterbrochen.
1940 gebar seine Freundin Herta Dohrn den gemeinsam Sohn Michael. Erst im Jahr 1941 heirateten die beiden und im selben Jahr kam sein zweiter Sohn Vincent auf die Welt.
Während seiner Studienzeit lernte er die späteren Mitglieder der Widerstandsgruppe, die Geschwister Hans und Sophie Scholl kennen. Im Sommersemester intensivierte sich die Freundschaft der Studenten und Probst nimmt an Leseabenden des Freundeskreises teil.
Von August bis November musste er in einem Luftwaffenkurlazarett seinen Dienst ableisten.
Ab dem September 1942 beschloss Christoph Probst mit seiner Frau und den Kindern nach Lermoos zu ziehen. Zuvor war Probst schon einige Male in Lermoos zu Gast und wohnte in einem Zimmer bei der Familie Hofherr im Hnr. 7. Da dieses Zimmer für sich und die Familie zu klein war, machte er sich auf die Suche nach einer kleinen Wohnung. Diese fand er in Untergarten im Haus der Familie Perktold.
Christoph Probst schreibt an seine Schwester – 25.08.1942:
„[…] Zu schön war es dann, als wir uns dem grossartigen Ziel unserer Reise näherten! Herta war leider recht müde, aber auch voll Freude. In Leermos stand ein nettes Mädel mit Wagen an der Bahn. Leider war als einziges das Bettchen nicht mitgekommen, wie es immer so ist, das Wichtigste. – Grossartig waren die Berge, um die sich Gewitter zusammenzogen. – Die Familie war gerade beim Abendessen, feine Leutchen, sag ich dir. So richtig ein guter tiroler Schlag, sie waren gleich sehr nett zu uns. Das Zimmer gefiel Herta gleich ausnehmend gut, es ist aber auch gediegen. Mischa, der eine Station vor Leermos eingepennt war wurde wieder ganz munter. Er war so lieb die ganze Zeit. Nicht einmal in die Hose hat der Gute gemacht. Abendessen, Waschen, Topfgang u. Bettgang waren noch sehr gemütlich im neuen Heim. Mischa schlief zwischen uns beiden, sowie er lag, war er auch schon eingepennt. Es war inzwischen ein gewaltiges Wetter losgebrochen mit herrlichen Beleuchtungen. Sehr zufrieden, dass alles so gut gegangen war, gingen wir auch zubett u. schliefen gleich ein. Als ich am nächsten morgen aufbrechen musste, war Mischa auch schon munter u. nahm Abschied von mir. Am Eibsee hat es inzwischen keine Veränderungen gegeben. Hoffentlich bleibt alles beim alten. Ich freue mich enorm auf den Pendelverkehr zwischen Eibsee u. Leermos u. alles was dabei ist! Ich hoffe auch sehr, dass uns Ängslein dann mal aufsucht, auch sie soll diese einzigartige Gegend kennenlernen. – Zu schade, dass Du nicht kommen kannst. […]“
Im Dezember 1942 übersiedelte seine Luftwaffenkompanie nach Innsbruck und Christoph Probst führte dort seinen Wehrdienst aus. Er pendelte zwischen Lermoos und Innsbruck. Seine beiden Kollegen Hans Scholl und Alexander Schmorell wurden zur gleichen Zeit als Sanitäter nach Russland entsandt.
Im Jänner 1943 wurde sein drittes Kind, eine Tochter namens Katharina geboren.
Christoph Probst berichtet in einigen Briefwechseln mit seiner Familie und Freunden über Lermoos. Einige Zeilen aus seinen Briefen lassen uns einen Einblick über Lermoos und die Bewohner dort geben.
Christoph Probst an seine Mutter – 03.09.1942:
„[…] Nun ist es erst vollkommen schön hier, nachdem Herta mit dem Söhnlein in Leermos wohnt u. ich sie täglich nachmittags und abends besuchen kann. Sehr schön war die Fahrt ins Gebirge hinein u. gross unsere Vorfreude auf das Zusammensein in diesem gesegneten Tal, wenn auch etwas ängstlich, da mein Bleiben-Können ja so ungewiss. Ja Leermos ist für mich ein paradiesischer Ort u. das ganze Tal ein besonderer Fleck Erde. Zu schön der ausgebreitete Zugspitzblock mit seinen grauen Wänden u. die vielgestaltige mieminger Gruppe voll lockender schroffer Gipfel. Am Fuss der hohen Berge die almigen Buckelwiesen mit kleinen Schobern u. Stadeln übersäht u. überall darauf die lichten schönen Lärchenbestände. Und dann die grossartigen Effekte verschiedener Beleuchtungen, der sich auflösende Morgennebel, schwarze Gewitterwolken, Wolkenspiele um die Gipfel! Leermos selbst ist ja so einzig, wie es mit seinem Kirchlein am Hang liegt u. über das moorige Tal blickt. Du kennst ja das Tal gut, ich will es Dir nur in Erinnerung rufen. Wir bewohnen ein besonders schönes Zimmer, am Hang, mit wundervollen Blumen vor dem Fenster u. grossartigem Bergblick. Die Menschen sind z. T. noch recht einfach u. primitiv, oft arm u. anspruchslos, ich habe sie aber soweit ich sie bis jetzt kenne sehr gerne. Sie sind ja recht verschlossen u. unzugänglich, das Tal scheint aber noch sehr religiös, es ist ja auch von Kruzifixen übersäht, die auch besonders gut hinpassen. Schön wäre es, wenn Du mal kommen könntest. Im Hotel Post wohnst Du sehr bequem, allerdings 8 M. das Zimmer. Du würdest hier zumal viel unternehmen können. […]“
Christoph Probst schreibt an Hans Scholl – 18.10.1942:
„[…] Natürlich wollen wir im geliebten Ruhpolding bleiben, aber leider ist hier nichts mehr aufzutreiben u. so habe ich in der Nähe von Lermoos in einem Bauernhaus in schönster aber nicht allzu bequemer Lage eine lichte Wohnung gemietet. Mitte November wollen wir nun dorthin ziehen u. das bedeutet natürlich eine einschneidende Umstellung in unserem Lebenswandel. Herta freut sich darauf einmal ganz selbstständig ihren Haushalt führen zu können, wenngleich sie auch den schönen alten Zustand nur schweren Herzens aufgibt. Für den Winter ist Lermoos jedenfalls eine schöne Ski-basis für uns und im Frühling findet sich vielleicht doch in Zell noch eine Wohngelegenheit. […]“
Christoph Probst schreibt an Elise Probst – 20.11.1942:
„[…] Noch am ersten müden, aber wohlgelaunten Abend, den ich in der jungferlichen lermooser Wohnung zubringe, möchte ich dir noch ein paar Worte schreiben! Nach manchem Hin- u. Herverhandeln mit Spediteur, Bürgermeister, Vermieterin usw. stellte es sich heraus, dass nur ein Ochsenfuhrwerk in frage käme, und mit diesem teueren Gefährt haben wir nun heute all die vielen Sächelchen nach Untergarten hinaufbugsiert. Inzwischen hatte ich aber die für mich nicht erfreuliche Nachricht erhalten, dass ich für das nächste Semester nach Innsbruck versetzt sei. Ziemlich rasch hatte ich meine 2 Leutchen beisammen (den Fuhrjungen u. einen jungen netten Bauern zum Helfen) die Ochsen wurden eingespannt u. dann ging‘s los. In 2 Fuhren haben wir das Zeug bewältigt, dennoch hat es fast den ganzen Tag gedauert. Es musste sehr gut aufgeladen werden u. ausserdem war die Strasse teilweise schneefrei, da gings natürlich mit dem Schlitten langsam vorwärts. Aber solche Ochsen ziehen fabelhaft, besser als Pferde. Die Küche, die heute morgen noch geweisst wurde u. toll aussah, ist soeben mein Aufenthaltsraum u. sieht schon reizend aus! 2 Frauen waren da zum Schruppen, die Böden waren schneeweiss bevor wir kamen, die sind nun wieder etwas verdreckt, dafür ist der Küchenboden nun sehr schön. Wenn ich die grossen Zimmer sehe, hüpft mir das Herz! Heute war strahlendes Wetter, ein grossartiger Schneetag u. die Wohnung mit ihrem herrlichen Blick war in den Sonnenstunden einfach ein Gedicht. […]
Außerdem finde ich die Wohnung hervorragend praktisch! Die Südtiroler Nachbarin ist sehr nett, ihr Mann hat mich damals vertrauenerweckend gefunden und ihr dann ihren kleinen Komplex ausgeredet. Sie hat nun keine Sorge, was unser Zusammenleben anbetrifft. Heute Abend brachte sie mir schon eine Kanne frischer Milch. Auch die eigentliche Vermieterin bemüht sich reizend um unser Wohl! [...]“
Christoph Probst schreibt an seinen Halbbruder Dieter Sasse – 25.11.1942:
„[…] Ich schreibe Dir vom Küchentisch unserer gemütlichen lermooser Wohnküche aus. Wir sind hier nun halbwegs eingerichtet und fühlen uns unglaublich wohl in unserer bäuerlichen Umgebung. Allein der Blick ist unbezahlbar schön. Auch wenn man nachts auf das Freiluft-Klosett geht und das Mondlicht auf den tiefbeschneiten Hängen liegt, hüpft einem das Herz. Sehr wichtig ist auch, dass sich die Nachbarin als eine reizende gute kinderliebende Frau entpuppt hat – sie hatte anfangs eben einen Mieter-Komplex, da sie bei den vorhergehenden Mietern so sehr schlechte Erfahrungen gemacht hat. Wichtig war auch, dass ihr Mann, der aus Russland kam, ihr gut zuredete, nachdem er mich kennengelernt hatte und Vertrauen gewonnen hatte. Wir bekommen die Milch von der Nachbarin und bis jetzt ging alles erfreulich, mag es nur so weitergehen. Die Wohnküche – der einzige Raum, den wir z. Zt. Heizen, da wir mit Heizmaterial sehr sparsam sein müssen ist jedenfalls sehr angenehm. Eine Falltüre führt in einen geräumigen trockenen Kellerraum. Der anschliessende Raum ist ein helles Eckzimmer mit einem Kachelofen, Bänken an der Wand u. um den Ofen, ein herrliches Kinderzimmer. Vor allem ist es angenehm, dass alles so nah beisammen liegt, keine Treppensteigerei, gleich ist man bei den Kindern. Über dem Kinderzimmer liegt nochmal ein ähnliches mit herrlichem Blick hell u. schön. Da oben soll es dann ein bisschen kultivierter werden. Hinter der Küche liegt der Stall mit der Wasserleitung – ein grosser Abstellraum für unnötige Sachen. Der Gang ist mit Holzstössen ausgefüllt, dazwischen lose Planken als Boden oder einfach gestampfte Erde. […] Gleich hinter dem Haus ist eine schöne Bank, mit glucksendem Bächlein, schönstem Blick, ein friedlicher Fleck, da sind wir oft. [...] Die Menschen sind einfach u. verschlossen, aber sehr freundlich u. liebenswert - gute Tiroler. [...]
Uns geht es gut in Lermoos, ja so gut, dass ich oft staune, wie dies möglich ist mitten in dieser chaotischen Zeit. Dieses Dörflein ist wirklich unsagbar schön u. heimelig u. seine Umgebung lässt an Großartigkeit u. Gewalt nichts zu wünschen übrig. [...]"
Einige Zeit nach Christoph Probsts Hinrichtung verließ seine Frau Herta Probst mit den Kindern ihre Heimat Lermoos und zog wieder zu ihrer Familie nach Deutschland.
Ich gehe euch jetzt einen Sprung voraus, um euch einen herrlichen Empfang zu bereiten. (Christoph Probst - Brief an seine Mutter kurz vor seiner Hinrichtung)

Christoph Probst in Lermoos (© Gemeindearchiv Lermoos & Weisse Rose Institut München)
Christoph Probst und die Weisse Rose
Christoph Probst schloss sich bereits während seines Studiums der Gruppe „Weisse Rose“ an. Die „Weisse Rose“ war eine bekannte Widerstandsgruppe im Dritten Reich. Sie wurde eher als Freundeskreis wie als Organisation bezeichnet. Zwei, die sich der Widerstandsgruppe angeschlossen hatten, waren Christoph Probst und Alexander Schmorell. Beide waren seit der Schulzeit befreundet. Während ihres Medizinstudiums 1941/1942 an der Universität in München lernten sie Willi Graf und Hans Scholl kennen. Sophie Scholl begann 1942 ihr Philosophie- und Biologiestudium und kam mit den Freunden ihres Bruders in Kontakt. Die Gruppe besuchte die Vorlesung des Philosophie-Professors Kurt Huber. Er war bereits mit den Nazis in Konflikt geraten und schloss sich daher später ebenfalls der Widerstandsgruppe an. Die Geschwister Scholl waren anfänglich von den Nationalsozialisten angetan, denn die gemeinsamen Fahrten der Hitlerjugend und dem Bund der Deutschen Mädels, das Gemeinschaftserlebnis und die Vorstellung von Vaterland überzeugten. Jedoch wich die Begeisterung der grundsätzlichen Kritik. Die Grundlagen ihrer späteren Aktionen waren ihre christlichen und humanistischen Wertvorstellungen. Daher wurde seitens der Gruppe Widerstand geleistet. Die Mitglieder der „Weissen Rose“ leisteten Widerstand und wollten die Bevölkerung über den wahren Charakter des Regimes aufklären.
Steh zu den Dingen, an die du glaubst. Auch, wenn du alleine dort stehst. (Sophie Scholl)
Im Juni und Juli 1942 verfassten Alexander Schmorell und Hans Scholl die ersten vier Flugblätter und fertigten heimlich 100 Stück im Elternhaus Schmorells an. Die Flugblätter wurden an ausgewählte Münchner Adressen, darunter zahlreiche Akademiker versandt. Sie erwarteten sich von dieser Gesellschaftsgruppe Unterstützung ihres Widerstandes.
Solche Schriften zu verteilen, war während des Nationalsozialismus strengstens untersagt und sofort zu melden. Etwa jeder dritte Empfänger der 100 Personen übergab sein Flugblatt der GESTAPO.
Da die Gruppe immer wieder Widerstand leistete, beschloss Christoph Probst nicht daran teilzunehmen, denn immerhin trug er Verantwortung gegenüber seiner Familie. Da er von den katastrophalen Niederlagen der deutschen Soldaten in Stalingrad erfuhr, entschloss er sich Ende Jänner 1943 dann doch einen Entwurf für ein Flugblatt zu verfassen. In diesem Flugblatt prangerte er die Ermordung der jüdischen Bevölkerung und die verbrecherischen Kriegsführungen der Wehrmacht in Polen und der Sowjetunion an. Für die Widerstandsgruppe stand fest, dass Hitler und das Regime fallen müssen, damit die Bevölkerung Deutschlands weiterleben könne.
Das fünfte und sechste Flugblatt wurde im Januar und Februar 1943 erstellt. Es wurden ca. 6.000 Abzüge mit einem Vervielfältigungsapparat produziert.
Das fünfte Flugblatt verteilten die Gruppenmitglieder an öffentlichen Plätzen, wie zum Beispiel an der Universität. Der GESTAPO wurde dadurch ein Anlass geboten, genauer nach den Verfassern zu fahnden. Jedoch ergebnislos. Die Widerstandsgruppe wusste, dass sie sich in Gefahr begab und mit solchen Aktionen ihr Leben riskierte.
Am 18. Februar 1943 verteilten die Geschwister Scholl das sechste und letzte Flugblatt vor den Hörsälen und die restlichen Flugblätter warfen sie in den Lichthof der Universität. Der damalige Hausmeister Jakob Schmid beobachtete diese Unternehmung und hielt die Geschwister fest. Sie wurden umgehend von der GESTAPO verhaftet.
Während der Vernehmungen bekennt Sophie Scholl, dass sie mit dem Nationalsozialismus nichts zu tun habe. Am nächsten Tag wurde ihr mitgeteilt, dass ihr Bruder Hans Scholl bei seiner Vernehmung alles gestanden habe und so entschloss sie sich ebenfalls ein Geständnis abzulegen.
Die GESTAPO fand bei Hans Scholl den handschriftlichen Entwurf von Christoph Probst, den er in seiner Jackentasche bei sich trug. Er versuchte vergeblich dieses Blatt Papier zu zerreißen, jedoch war dies als Beweislage von der GESTAPO in Beschlag genommen worden. Somit wird Christoph Probst als Autor verdächtigt und wird am 20. Februar 1943 in Innsbruck verhaftet.
Am 22. Februar 1943 werden folgende Mitglieder der „Weissen Rose“ Christoph Probst, Hans und Sophie Scholl vom Volksgerichtshof in München wegen „landesverräterischer Feindbegünstigung, Vorbereitung zum Hochverrat und Wehrkraftersetzung“ zum Tode verurteilt. Die Angeklagten wurden noch am selben Tag mit dem Fallbeil im Gefängnis München-Stadelheim umgebracht.
Christoph Probst versuchte während des Verhörs und der Gerichtsverhandlung um Gnade zu bitten, da er drei Kinder im Alter von drei Jahren, zwei Jahren und vier Wochen hatte und seine Frau zu Hause mit Kindbettfieber lag. Auch seine Freunde, die Geschwister Scholl, hatten versucht, Probst zu schützen, jedoch vergebens.
Kurz vor seiner Hinrichtung ließ sich Christoph Probst noch katholisch taufen und empfing die Heilige Kommunion. Vor seiner Hinrichtung schrieb er in seiner Zelle drei Briefe, einen an seine Mutter, einen an seine Schwester und einen an seine Frau. Seine Familie erfuhr erst einen Tag nach seinem Tod, dass er hingerichtet wurde.
Christoph Probst verabschiedete sich wenige Minuten vor seiner Hinrichtung von seinen Freunden Hans und Sophie Scholl, mit folgenden Worten:
„In wenigen Minuten sehen wir uns in der Ewigkeit wieder.“
Alle drei Widerstandskämpfer, die ihren Tod durch die Guillotine fanden, wurden neben dem Hinrichtungsort am angrenzenden Friedhof am Perlacher Forst begraben.
Was wir sagen und schreiben, denken ja so viele, nur wagen sie nicht, es auszusprechen. (Sophie Scholl)

Widerstandsgruppe Weisse Rose (Gemeindearchiv Lermoos & Weisse Rose Institut München)

Widerstandsgruppe Weisse Rose (Gemeindearchiv Lermoos & Weisse Rose Institut München)
Michael Probst – Eindrücke und Gegebenheit in Lermoos
Michael ist der Sohn von Christoph Probst und verbrachte die ersten Jahre seines Lebens in Lermoos. Er berichtet in seinem Artikel „Mein einziger Kummer ist, daß ich Euch Schmerzen bereiten muß“ über das Leben in Lermoos und wie er die letzten Kriegstage dort miterlebt hat.
Die Geschichte beginnt im Jahre 1945. Michael lebte damals mit seiner Mutter und seinen beiden Geschwistern in Untergarten. Im Winter 1944/1945 versuchte die deutsche Wehrmacht mit ihren letzten Kräften die anrückenden Alliierten an der Front abzuwehren. Am Fernpass wurde bereits das Gefecht eröffnet. Die Amerikaner rückten aber auch von Reutte in Richtung Lermoos vor.
Michael Probst berichtet:
„Eines Nachts wurden wir von Nachbarn geweckt und verließen fluchtartig unsere Wohnung. Ich fand einen meiner Hausschuhe nicht; meine Mutter sagte, den bräuchte ich nicht mehr – eine Aussage, die mich sehr verwunderte.
Aus allen Gehöften kamen die Bewohner und schafften, was sie tragen konnten, auf Wagen und Karren davon. Ein alter Bauer, der nicht mehr gehen konnte, sah sich plötzlich von seinem Sohn auf einen Schubkarren geladen. Freilich war das Gefährt vorher mit einem großen Plumeau ausgepolstert worden.
Während der Ort von seinen Einwohnern verlassen wurde, hoben verängstigte deutsche Soldaten Schützengräben aus und verstärkten sie mit Holzscheiten. All dieses Geschehen vollzog sich in geradezu unheimlicher Ruhe.
Gleich den anderen Dorfbewohnern stiegen auch wir auf eine der Almen und fanden dort in einer Hütte Unterschlupf. Im einzigen Raum brannten offen und qualmend ein Feuer. Die Luft war rauchig und biß in den Augen. Uns Kindern steckte man, in der ebenso erbarmungsvollen wie illusorischen Hoffnung, wir würden weiterschlafen, in heugefüllte Betten. Doch wir fanden keine Ruhe. In dem ungewohnten Nachtlager wurden wir von Juckreiz geplagt. Außerdem spürten wir doch die Unruhe der Erwachsenen. Ich hatte nur ein Ziel: herauszukommen aus dieser Unterkunft. Vielleicht fand ich gar meinen Spielkameraden Emil, den ich einigen Hütten weiter oben vermutete. Währenddessen war in der Ferne das Grollen der Geschütze zu vernehmen. Zudem hatte sich der Himmel vom Widerschein der brennenden Häuser im Tal rot gefärbt. Schreckensnachrichten erreichten uns. Die Tochter eines Bauern, hieß es, sei bei dem Versuch, die Kühe aus dem brennenden Stall zu retten, erschossen worden.
Als unsere Mutter sich noch einmal aufmachte, um aus unserer Wohnung noch einiges zu retten, heulten wir vor Angst. Die bangen Stunden des Wartens sind mir in Erinnerung geblieben. Wie froh waren wir, als sie unversehrt zurückkehrte. Der Bruder meiner Mutter, Christoph Dohrn, hatte sich während des letzten Heimaturlaubes, den er bei uns verbrachte, bei einem Skiunfall ein Bein gebrochen und lag im Lazarett in Lermoos. Als die Front auch unsere Region erreichte, konnte er, freilich humpelnd, mit seinem Gipsbein bereits wieder umhergehen. Er war es, der nun versuchte aus dem brennenden Haus, in dem wir gelebt hatten, zu retten, was noch zu retten war.
Während mein Onkel mit den Flammen kämpfte, kam ein Trupp von SS-Leuten zu ihm und fragte nach der Frau mit den drei Kindern, die hier doch hatte wohnen sollen. Auf die Gegenfrage, was sie denn von diesen Bewohnern wollten, erhielt er die Antwort: „Das sind Kronzeugen gegen das Reich.“ So waren wir in jener Nacht, da wir auf die Alm stiegen, nicht allein vor der heranrückenden Front geflohen, wir waren auch, ohne es zu ahnen, diesen Häschern der SS entkommen.
Es war der Verdienst meines Onkels, daß Lermoos schließlich unzerstört blieb. Er war den herannahenden amerikanischen Panzern mit der weißen Fahne der Kapitulation entgegengegangen und hatte versichert, der Ort werde sich kampflos ergeben. Daraufhin mußte er mit seiner Fahne auf den ersten Panzer aufsitzen – gleichsam als lebender Beweis für die Wahrheit seiner Worte. Das war nun in der Tat eine höchst gefährliche Position, denn er bot auf diesem Platz ein ideales Ziel für Heckenschützen der deutschen Wehrmacht, die man durchaus noch in dem freilich wie ausgestorben wirkenden Dorf vermuten konnte.
Später hat mein Onkel von dem Kommandeur dieses amerikanischen Truppenteils ein Papier erhalten, in dem bestätigt war, daß seiner Entschlossenheit und seinem Mut die Unversehrtheit von Lermoos zu verdanken gewesen ist.“
Christoph Probst in Lermoos (© Gemeindearchiv Lermoos & Weisse Rose Institut München)

Nachbarn der Familie Probst in Untergarten (© Gemeindearchiv Lermoos & Weisse Rose Institut München)

Christoph und Herta Probst (© Gemeindearchiv Lermoos & Weisse Rose Institut München)
Quellen: