
Luftkampf über Lermoos
Viele Leute verbinden den Zweiten Weltkrieg mit Kriegsschauplätzen in der Normandie, Nordafrika, Russland, der Front, usw. Die wenigsten Menschen wissen, dass auch bei uns gegen Kriegsende ein Luftkampf in Tirol und im Außerfern stattgefunden hat.
Die deutsche Wehrmacht musste einige verheerende Niederlagen wie die in Stalingrad und Nordafrika, sowie den Sturz von Mussolini und den Bündniswechsel der Italiener zu den Alliierten einstecken. Dieses Ereignis brachte die „Wende“ im Zweiten Weltkrieg. Nachdem die Alliierten 1943 in Süditalien gelandet waren, war es für sie leicht mit den Bomberflugzeugen Tirol zu erreichen. In erster Linie wollten sie die wichtigsten Rüstungsproduktionen und dann die Eisenbahnlinie zwischen dem Inntal und dem Brenner zerstören. Die Amerikaner mussten verhindern, dass die deutsche Wehrmacht weiterhin Rüstungsnachschub von Italien beziehen konnte.

Abgestürzter Bomber im Lermooser Moosgebiet (Gemeindearchiv Lermoos)
Im Herbst 1943 kam es zu den ersten Luftangriffen auf das Alpenvorland und den Gau Tirol-Vorarlberg. Auch Lermoos war davon betroffen und blieb leider nicht von Luftkampfhandlungen verschont. Besonders 1944 kam es in unserer Gegend zu einem Luftkampf zwischen deutschen Jägern und US-Bombern über Lermoos.
Aus den Gendarmerie-Akten von 1944 sind folgende Aufzeichnungen zu entnehmen:
Am 3. August 1944 zwischen 11:30 Uhr und 11:45 Uhr kam es zu einem Luftkampf zwischen zahlreichen USA-Bombern und 15 Deutschen Jägern. Die amerikanischen Flugzeuge waren am Rückflug und waren auf ca. 6000 m Seehöhe. Der Kampf in der Höhe dauerte etwa 8 Minuten und an 8 US-Bombern, die schwer getroffen wurden, waren recht schnell Rauchfahnen zu erkennen. Ein 4-motoriger Bomber war sofort führerlos. Das Luftgefährt sackte und schwebte vom Grubigstein in Richtung Lermoos ab. In ca. 2000 m Höhe brach der rückwärtige Teil des schweren Bombers über den Mädern der Siebenbränd ab und grub sich im Boden ein. Im selben Moment fiel der Heckenschütze durch den Bruch des Hinterteiles des Bombers hinaus. Leider öffnete sich der Fallschirm des Mannes nicht, wobei er 50 m oberhalb des Hotels „Drei Mohren“ in einer Wiese landete und sich aufgrund des starken Aufpralls einen halben Meter in die Erde eingrub und sofort tot war. Der Vorderteil mitsamt der 4 Motoren und dem Propeller schwebte rauschend und polternd mit ohrenbetäubendem Lärm über Lermoos und stürzte auf einer Wiese im Moosgebiet ab. Die Wiese war im Siedlungsbereich und gehörte Adelheid Fasser. Nach dem Aufprall stand das Flugzeug in Flammen, die 48 Stunden anhielten. Die Bevölkerung ist dabei nicht zu Schaden gekommen, sondern lediglich das Feld der Besitzerin. Ein weiterer Bomber stürzte hinter Biberwier im Wald ab und ein anderer zerschellte am Massiv des Wamperter Schrofen und fiel ab. Ein dritter Bomber sauste im Brändlekar nieder (nähe Ehrwalder Alm). Alle vier abgestürzten Flugzeuge brannten zum Teil komplett aus.
Nachdem der Brand des US-Bombers, der im Moos abgefallen, erloschen war, konnten die Insassen unter den Trümmern geborgen werden. Die Männer mussten durch Ochsen und Hilfskräften unter den Frackteilen herausgezogen und geborgen werden. Die Leichen waren teils verkohlt und zur Unkenntlichkeit verstümmelt. Die 10 US-Soldaten wurden gemeinsam mit den 4 totgeborgenen Männern, die am 3. August 1944 in Biberwier abgestürzt waren, am 4. August 1944 um 22 Uhr im Friedhof Lermoos vom Pfarrer Wiedemayr beerdigt. Von diesen 14 Männern sind 10 namentlich bekannt und so wurden auch die Verwandten der Abgestürzten über das Unglück darüber verständigt.
Während dieses Luftkampfes stürzten auch zwei deutsche Jägerflieger ab. Ein Pilot konnte sich per Fallschirm retten und sprang in der Höhe der Lermooser Alm ab. Dieser Mann konnte von den Rettungskräften geborgen und im Lazarett verarztet werden. Ein zweiter Bomber segelte am Grubigstein, in der Nähe der Gartnerwand ab. Dieser Pilot überlebte leider nicht und ist zum Teil mit der Maschine verbrannt. Leutnant Otto Pissel wurde erst am 11. August 1944 vom Schafshirten im Gartnertal tot aufgefunden. Der Tote wurde von der Wehrmacht des Gebirgsjägerregimentes 537 in Garmisch nach Heilbronn an der Neckar überführt.
Ein Zeitzeuge berichtet:
„Die Leichenteile der Besatzungsmitglieder der Bomber wurden in der Leichenhalle zusammengetragen, die verscharrt werden sollten. Heimlich hatte der damalige Pfarrer Leonhard Wiedemayr mit Frau Stupfer und dem damaligen Totengräber, sowie einem Ministranten nachts die Leichenteile in Säcken kirchlich beigesetzt.
Jedoch mussten die 14 Flieger, die im Friedhof Lermoos beerdigt wurden, am 2. Juli 1946 unter Aufsicht amerikanischer Soldaten von sechs ehemaligen Nationalsozialisten exhumiert werden. Die Leichen wurden auf einen Soldatenfriedhof in Lothringen überführt.“

Fliegerteil am Kriegerfriedhof (Gemeindearchiv Lermoos)
Gefallene US-Soldaten in Lermoos
| Dienstgrad | Name | Vorname | Todesdatum&Ort | Einheit | Bemerkungen |
|---|
| S/Sgt. | ADAMS | James R. | 03.08.1944 Lermoos | 465 Bombergruppe, 782 Staffel | Gunner |
| S/Sgt. | BRODERICK | William W. | 03.08.1944 Lermoos | 465 Bombergruppe, 782 Staffel | Gunner |
| 2nd Lt. | COX | Leonard S. | 03.08.1944 Lermoos | 465 Bombergruppe, 782 Staffel | Bombardier |
| S/Sgt. | EGERTON | Henry P. | 03.08.1944 Lermoos | 465 Bombergruppe, 782 Staffel | Gunner |
| Capt. | FAIVER | Jack M. | 03.08.1944 Lermoos | 465 Bombergruppe, 782 Staffel | Pilot |
| T/Sgt. | NOLEN | Edwin E. | 03.08.1944 Lermoos | 465 Bombergruppe, 782 Staffel | Radio-Op. |
| S/Sgt. | PERRONE | Frank | 03.08.1944 Lermoos | 465 Bombergruppe, 782 Staffel | Gunner |
| T/Sgt. | SEHNERT | Ralph P. | 03.08.1944 Lermoos | 465 Bombergruppe, 782 Staffel | Engineer |
| 2nd Lt. | THOMAS | Richard E. | 03.08.1944 Lermoos | 465 Bombergruppe, 782 Staffel | Navigator |
| 2nd Lt. | THORNTON | James W. | 03.08.1944 Lermoos | 465 Bombergruppe, 782 Staffel | Co-Pilot |

Kommunikationsbauteil einer B24 Liberator welche am 3. August 1944 im Gebiet des Wampeten Schrofens niederging (Schönherr S.)

Teile des abgestürzten Bombers im Lermooser Moosgebiet (Gemeindearchiv Lermoos)
Quellen:
- Archiv der Gemeinde Lermoos
- Tiroler Landesarchiv, Innsbruck