Station 3 - Pfarre & Barmherzige Schwestern

Station 3 - Pfarre & Barmherzige Schwestern

Pfarre Lermoos – Vorgabe durch die Nationalsozialisten

Die Vorgaben der Nationalsozialisten wurden in vielerlei Hinsicht im Außerfern und in Lermoos mit hohem Maß an Freiwilligkeit angenommen und umgesetzt, jedoch nicht von der Katholischen Kirche. Viele Jahre war der Einfluss der Kirche auf Erziehung und Alltag von großer Bedeutung, besonders in den abgelegenen Tälern Tirols. Durch die Machtergreifung der Nationalsozialisten wollten diese nun den alleinigen Anspruch auf die Jugenderziehung an sich reißen. Sie versuchten im Außerfern den Religionsunterricht abzuschaffen und die Auflösung kirchlicher Feiertage durchzuführen, dies blieb jedoch erfolglos.

Pfarrkirche Lermoos (Gemeindearchiv Lermoos)

Pfarrkirche Lermoos (Gemeindearchiv Lermoos)


Allerdings hatten die Nationalsozialisten Einfluss darauf, die Pfarrkirchenräte ihres Amtes zu entheben, so auch in Lermoos. Der Landesrat entschied über das Ausscheiden einzelner Pfarrkirchenräte des Landeskreises Reutte. Unter anderem wurden auch Lermooser Pfarrkirchenräte dazu aufgefordert, ihr Pfarrkirchenratsmandat niederzulegen und nicht weiter ihren Aufgaben nachzugehen.

Es schieden folgende Pfarrkirchenräte aus:

  • Gerber Roman - weil Lehrer und Gemeindekassier
  • Rieder Karl - weil Legislator
  • Wacker Alois - weil Gemeinderatsmitglied
  • Lagg Alois - weil Gemeinderatsmitglied

Pfarrkirche Lermoos (Gemeindearchiv Lermoos)

Pfarrkirche Lermoos (Gemeindearchiv Lermoos)


Pfarrkirche Lermoos

Pfarrkirche Lermoos (Gemeindearchiv Lermoos)


Auch die Gottesdienste in einer Gemeinde mussten von der Apostolischen Administratur genehmigt werden. So auch der Gottesdienst für Kriegsgefangene in Lermoos. So hieß es in einem Schreiben vom 17. Oktober 1940 an Pfarrer Weingartner in Lermoos:

Solange in Lermoos für die dort befindlichen Kriegsgefangenen ein eigener Gottesdienst nötig ist, wird hiermit, insofern nur ein Priester sich dort selbst aufhält, für die Sonn- und gebotenen Feiertage im Sinne des päpstlichen Indultes vom 24.12.1939 die erbetene Trinationserlaubnis erteilt. Über das Ersuchen des Wehrkreispfarrers Salzburg für den Wehrkreis XVIII vom 15.10.1940 wird hiermit darauf hingewiesen, dass im Verkehr mit den Kriegsgefangenen äußerste Zurückhaltung zu bewahren ist, um Unannehmlichkeiten zu vermeiden.“

Ein Zeitzeuge berichtet:

„Es gab in Lermoos immer wieder den einen oder anderen sehr fanatischen Hitleranhänger. So geschah es, dass in einer Nachtaktion ein sehr aktiver Nazi-Anhänger aus Lermoos auf den Kirchturm kletterte, um dort eine Fahne mit dem Hakenkreuz zu befestigen. Auch wenn zu hören war, dass es siegreiche Kämpfe zu verzeichnen gab, an denen Lermooser Soldaten beteiligt waren, mussten die Kirchenglocken täglich geläutet und die Häuser sieben Tage lang beflaggt werden.

Pfarrer Wiedemayr

Pfarrer Wiedemayr (Gemeindearchiv Lermoos)


Pfarrkirche Lermoos

Pfarrkirche Lermoos (Gemeindearchiv Lermoos)


Barmherzigen Schwestern – Unterdrückung im Nationalsozialismus

Die Barmherzigen Schwestern eröffneten in Lermoos ihre Filiale im Jahr 1884.

Sie vereinbarten einen Vertrag mit der Gemeinde und hatten somit einen Anspruch auf eine entsprechende Wohnung samt Einrichtung, Holzbezug und Gemüsegarten. Als Barentlohnung wurden 240 Gulden vereinbart. In den ersten fünfzehn Jahren mussten die Schwestern immer wieder verschiedene Wohnungen beziehen, erst im Jahre 1899 wurde ihnen eine Wohnung im neu erbauten Schulhaus zur Verfügung gestellt. Zuerst wurden zwei Schwestern nach Lermoos entsandt, um die zwei Schulklassen zu betreuen. Erst 1924 folgte eine dritte Ordensschwester, um den Kindergarten zu leiten. Als die Nationalsozialisten an die Macht kamen, wurde die Wohnstätte den drei Schwestern gekündigt und sie mussten sich eine andere Unterkunft suchen. Die neue Wohnung wurde zu Ostern 1940 bezogen, in der notfalls zwölf bis vierzehn Schwestern wohnen konnten, denn es bestand die Gefahr, dass das Mutterhaus der Barmherzigen Schwestern in Zams von den Nationalsozialisten aufgelöst werden würde. Zu Beginn des Schuljahres 1938/1939 wurden die Lehrerschwestern aus dem Schuldienst entlassen. Mit Ende des Jahres wurde auch die Schwester aus dem Kindergarten suspendiert.

In einem Schreiben des Landesschulrates für Tirol an das Mutterhaus der Barmherzigen Schwestern in Zams steht:

„Verbot der Weiterführung des Kindergartens Lermoos, 20.09.1938: Vom Amte des Landesschulrates wird Ihnen hiermit die Mitteilung gemacht, dass Ihnen die Bewilligung zur Weiterführung des Kindergartens in Lermoos entzogen wird. Hierzu wird bemerkt, dass eine Weiterführung der genannten Anstalt durch die Barmherzigen Schwestern deshalb nicht mehr gestattet werden kann, da die Weiterführung sämtlicher Kindergärten des Gaues Tirol von nun an ausschließlich Sache der Nationalsozialistischen Volkswohlfahrt ist.“

Ab diesem Zeitpunkt leisteten die Schwestern nur mehr Organistendienste und Familienhilfen. Außerdem übernahmen sie einige Tätigkeiten, die der Pfarrer ihnen auftrug: die Kirche aufräumen, die Altäre schmücken, die Ministranten begleiten, Gesang und Gebet. Das Schulhaus mussten sie aufräumen und heizen. Als Abgeltung dafür wurde ihnen Holz zur Verfügung gestellt. Fanden Musterungen statt, mussten sie auf Wunsch des Bürgermeisters dem Gemeindediener zur Hand gehen. Auch Krankenbesuche wurden von den Schwestern durchgeführt, denn die Nationalsozialisten waren froh, wenn sie diese Aufgabe nicht erledigen mussten. Die Gemeinde und auch der Ortsgruppenleiter behinderten die Arbeit der Barmherzigen Schwestern nicht. In den Gefangenenlagern kümmerten sie sich um die Gefangenen,  gaben Nachhilfestunden und erledigten schriftliche Arbeiten für die Junglehrerinnen in der Umgebung. Zum Lebensunterhalt dienten auch Flick- und Strickarbeiten für die Gasthäuser.

Das Verhältnis zwischen den Lehrpersonen, dem Kindergarten und der Gemeindevertretung, aber auch zwischen dem Ortsgruppenleiter und den Schwestern war immer ein gutes.

1943 beschloss die Ordensleitung, die Filiale in Lermoos aufzugeben. Ab 1945 übernahmen die Barmherzigen Schwestern wieder ihre Pflichten in der Schule und im Kindergarten. Die Lehrerschwestern erhielten das gesetzliche Gehalt und die Kindergärtnerin die Barentlohnung nach dem jeweiligen Tarif.

Erstkommunion Pfarre LermoosErstkommunion Pfarre Lermoos (Gemeindearchiv Lermoos)


Barmherzige Schwestern in LermoosBarmherzige Schwestern in Lermoos (Gemeindearchiv Lermoos)


Prozession - Pfarre Lermoos

Prozession - Pfarre Lermoos (Gemeindearchiv Lermoos)


Quellen: 

  • Archiv der Barmherzigen Schwestern im Mutterhaus Zams
  • Archiv der Gemeinde Lermoos
  • Chronik Kindergarten Lermoos
  • Eppel, P., Galanda, B., Ganglmair, S., Klamper, E., Neugebauer, H. (1984). Widerstand und Verfolgung in Tirol – 1934-1945. Wien: Österreichischer Bundesverlag
  • Lipp, R. (2013). Extra Verren – 2013. Die Barmherzigen Schwestern im Außerfern. Museumsverein Reutte
  • Pfarr- und Dekanatsarchiv Breitenwang
  • Pfarrarchiv Lermoos
  • Tiroler Landesarchiv, Innsbruck