Station 2 - Schule, Kindergarten, Bildung

Station 2 - Schule, Kindergarten, Bildung

Bildung – „Säuberungswelle & Umerziehung“ in der Schule

Nach der Machtergreifung Hitlers mussten sich die Schulen dem nationalsozialistischen System beugen. Die Außerferner Lehrer wurden am 29. März 1939 mit folgender Eidesformel auf Adolf Hitler angelobt:

„Ich werde dem Führer des Deutschen Reiches und Volkes Adolf Hitler treu und gehorsam sein, das Gesetz beachten und meine Amtspflichten gewissenhaft erfüllen, so wahr mir Gott helfe.“


In den Richtlinien des Reichserziehungsministers wurden diese Aufgaben festgelegt. Diese besagten, dass die Schule die Aufgabe hatte, die Jugendlichen zu „körperlich, seelisch und geistig gesunden und starken deutschen Männern und Frauen zu erziehen.“

Der Landrat von Reutte gab der Außerferner Lehrerschaft damals Folgendes mit: 

„Wissen ist bedingungslos, wesentlich ist nur der fanatische Glaube an unseren einmaligen Führer Adolf Hitler. Ihr werdet nicht beurteilt nach der Pflichterfüllung in der Schule, sondern einzig und allein nach eurer inneren Einstellung zur Partei.“ 

2. Klasse der Volksschule Lermoos 20. April 19292. Klasse der Volksschule Lermoos 20. April 1929 (Gemeindearchiv Lermoos)

Der Großteil der Lehrpersonen, die sich dem Nationalsozialismus noch nicht angeschlossen hatten oder sich neutral verhielten, wurden durch die NS-Machthaber umerzogen und anschließend befähigt, einen Unterricht im Sinne des Nationalsozialismus abzuhalten. Die Umschulung der Lehrpersonen wurde durch den Nationalsozialistischen Lehrerbund (NSLB) in Lagern oder angesetzten Schulungen durchgeführt.

Des Weiteren waren alle Lehrer verpflichtet, bis zum 31. Dezember 1938 ihre arische Abstammung vorzuweisen, denn andernfalls wurden sie ihres Amtes enthoben.

Konnten die Lehrer diese erforderliche „innere Einstellung“ nicht erfüllen, wurden sie als „politisch unzuverlässig“ abgestempelt und schikaniert. Es gab allerdings auch genug Lehrer, die diesen Anforderungen mit Begeisterung und Ehrgeiz nachgingen.

In Lermoos waren die Barmherzigen Schwestern des Mutterhauses Zams für die Schulbildung zuständig. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten wurden sie umgehend suspendiert. Es wurde ein Lehrer von der Nationalsozialistischen Volkswohlfahrt eingesetzt. Dieser musste jedoch 1939 in den Krieg ziehen.

Der eingerückte Lehrer wurde als Meldefahrer der Panzerkompanie eingesetzt. Am 19. Juni 1939 wurde er am Rhein-Marne-Kanal durch einen Schuss am Knie verwundet. Dazu steht Folgendes in der Schulchronik der Volksschule Lermoos: 

„Ein Nerv wurde dem eingerückten Lehrer abgeschossen, sodass der Fuß gelähmt war. Das Kniegelenk war wenig beschädigt. Im Oktober ließ sich der Lehrer in München operieren, um den durchschossenen Nerv wieder zu verbinden und zusammenzuleimen. Zu Weihnachten war er hier und konnte mit 2 Stöcken gehen, aber es besteht die Hoffnung auf Heilung.“

Der damals bereits pensionierte Volksschuldirektor musste zur vorübergehenden Dienstleistung antreten. Im Jahre 1940 wurde eine Inspektion durch den Schulrat und Gauschulrat in Lermoos durchgeführt. Die Nationalsozialisten entsandten eine Lehrerin aus Köln nach Lermoos, die den Unterricht weiterführte. Die Schüler mussten zur damaligen Zeit einiges über Hitler und den Nationalsozialismus lernen. Des Weiteren fertigten die Kinder Familienstammbäume an, um ihre arische Herkunft belegen zu können.

Volksschule LermoosVolksschule Lermoos (Gemeindearchiv Lermoos)


2. Klasse der Volksschule Lermoos 1936 2. Klasse der Volksschule Lermoos 1936 (Gemeindearchiv Lermoos)


Schulalltag in Lermoos

Ein ehemaliger Schüler erzählt von den damaligen Eindrücken in der Lermooser Volksschule: 

„Da hieß es plötzlich wir bekommen einen neuen Lehrer. Unsere Lehrerin, die Klosterfrau war, konnte uns diesbezüglich leider keine Auskunft geben. Aber ich glaube, wir Kinder hätten es sowieso nicht verstanden, was nun auf uns zukam. Der Unterricht und auch die Unterrichtsfächer waren nicht mehr dieselben wie vorher. Es wurden die Fächer, wie die deutsche Sprache, Lesen, Schreiben, Rechnen, Leibeserziehung, Heimatkunde, Naturlehre, Zeichnen, Handarbeit und Weibliche Handarbeit unterrichtet. Es war alles sehr nationalsozialistisch ausgerichtet. Das Fach Religion wurde zum Freifach. Am 13. und 14. März 1938 hatten wir Schüler alle schulfrei. Und am 15. März 1938 musste eine Schulfeier organisiert werden. Am Dachgiebel des Schulhauses war eine Hakenkreuzfahne angebracht worden. Es wurde im Klassenzimmer feierlich ein Hitlerbild aufgehängt und geschmückt.

Einen Monat später, am 20. April 1938 mussten wir dann erstmals den Geburtstag „unseres Führers“ feiern. Es gab dazu einen kleinen Umtrunk und eine Jause in der Schule. Wir Schüler mussten uns schön kleiden, ein weißes Hemd und eine dunkle Hose tragen. Manche von uns bekamen sogar Armbinden mit einem Hakenkreuz drauf, die sie am linken Arm tragen mussten. Das waren die Burschen, die auch in der Hitlerjugend dabei waren und „höhere Aufgaben“ durchführten. Die Mädchen mussten schwarze Röcke und weiße Blusen tragen und ein Tuch um den Hals binden. Auch die Musikkapelle war ausgerückt und spielte auf. Wir marschierten gemeinsam Richtung Feuerwehr-Gerätehaus, das damals im Oberdorf, oberhalb des Kirchplatzes anzufinden war. Vor der W. Tabelander Handlung nahmen wir Aufstellung. Es wurden Ansprachen gehalten und eine feierliche Fahne gehisst. Nach der Feierlichkeit gingen wir zurück ins Schulgebäude. Es wurde ein Radiogerät in der Klasse aufgestellt und wir hörten, wie der Unterrichtsminister eine Rede hielt, der uns Jugendliche aufforderte „dem leuchtenden Beispiel des Führers allzeit nachzueifern“.

Am 15. Mai 1938 wurde die damalige Muttertagsfeier ganz dem Anschluss an das Deutsche Reich gewidmet. 

In dem damaligen Muttertagsgedicht, das von den Nationalsozialisten gereimt und in den Schulen vorgetragen wurde, stand Folgendes:

„Uns hat nur eine Mutter geboren - Deutschland! Und eine Erde ist es, die uns trägt - Deutschland! Wir haben uns alle nur einer Liebe erkoren, und wenn man uns danach fragt, antworten wir: Deutschland! Uns Kindern war damals nicht ganz klar, was da alles passierte und wie wir von allen Seiten manipuliert wurden. Den neuen Lehrer, den wir bekamen, hatten wir nicht lange, er wurde in den Krieg eingezogen und die Lehrerin, die ihm nachfolgte, war sehr streng. Bei ihr mussten wir viel lernen."

2. Klasse der Volksschule Lermoos 20. April 19392. Klasse der Volksschule Lermoos 20. April 1939 (Gemeindearchiv Lermoos)


Feierlicher Festakt mit Fahnenhissung oberhalb des Kirchplatzes mit Schulkindern – vermutlich am 20. April 1938Feierlicher Festakt mit Fahnenhissung oberhalb des Kirchplatzes mit Schulkindern - vermutlich am 20. April 1938 (Gemeindearchiv Lermoos)


2. Klasse der Volksschule Lermoos (Gemeindearchiv Lermoos)

2. Klasse der Volksschule Lermoos (Gemeindearchiv Lermoos)


Kindergarten Lermoos zur Zeit des Nationalsozialismus

Der Kindergarten Lermoos wurde ebenfalls, wie die Schule von den Barmherzigen Schwestern von Zams geleitet und geführt. Von 1938 bis 1945 wurden die Klosterfrauen von ihrer Tätigkeit, von den Nationalsozialisten, ausgeschlossen. Es wurde von der Nationalsozialistischen Volkswohlfahrt eine weltliche Kindergärtnerin angestellt. Nach dem Zweiten Weltkrieg übernahmen die Barmherzigen Schwestern wieder die Betreuung der Kindergartenkinder.

Kindergarten am Kirchplatz (Gemeindearchiv Lermoos)

Kindergarten am Kirchplatz (Gemeindearchiv Lermoos)


Kindergartenjahr 1958 (Gemeindearchiv Lermoos)

Kindergartenjahr 1958 (Gemeindearchiv Lermoos)


Kindergartenjahr 1960 (Gemeindearchiv Lermoos)

Kindergartenjahr 1960 (Gemeindearchiv Lermoos)


Kindergarten (Gebäude links am Bild) (Gemeindearchiv Lermoos)

Kindergarten (Gebäude links im Bild) (Gemeindearchiv Lermoos)

Fronleichnamsprozession

Fronleichnamsprozession (Gemeindearchiv Lermoos)


Quellen: 

  • Archiv der Gemeinde Lermoos
  • Kindergartenchronik des Kindergarten Lermoos
  • Schreiber, H. (2007). 1938 – Der Anschluss in den Bezirken Tirols. Innsbruck: Studienverlag
  • Schulchronik der Volksschule Lermoos