Station 15 - Frieden

Station 15 - Frieden

Glockenweihe nach dem Zweiten Weltkrieg

Die Pfarrkirche zur Heiligen Katharina wurde nach den Plänen des Baumeisters Franz Kleinhans im Jahre 1751/1752 am heutigen Kirchplatz erbaut. Der Kirchturm wurde 1767/1768 neu errichtet. Im Glockenturm befindet sich die älteste erhaltene Glocke Tirols, aus dem Jahr 1411. Die Glocke überstand beide Weltkriege, denn sie war eine von den wenigen, die nicht eingeschmolzen wurde. Im Ersten Weltkrieg wurden alle anderen Glocken aus Lermoos abgeholt und für Kriegsmaterialen eingeschmolzen. Erst im Jahre 1923 konnten fünf neue Glocken aus der Glockengießerei Alois Adler aus Reutte in Lermoos montiert werden.

Glockenweihe nach dem Ersten Weltkrieg, 1923

Glockenweihe nach dem Ersten Weltkrieg, 1923 (Gemeindearchiv Lermoos)


Die Nationalsozialisten hatten im Zweiten Weltkrieg kaum Metall für die Rüstungsindustrie zur Verfügung. Deshalb ließ Hitler Sammlungen organisieren. Bereits im März 1940 wurde die Bevölkerung mit gezielter Propaganda aufgefordert, alle erdenklichen Gegenstände aus Zink oder Kupfer abzugeben, weil aber berechtigterweise der Widerstand der Bevölkerung befürchtet wurde, mussten die Kirchenglocken zu diesem Zeitpunkt noch nicht abgenommen werden.

Den Menschen wurde von Seiten der Nationalsozialisten mitgeteilt, dass diese Aktion anlässlich „zum Geburtstag des Führers“ stattfindet. Aufgrund dessen wurde viel Material abgegeben. Dennoch war der Materialnachschub nicht gesichert. So wurden alle Pfarren im Jahre 1941 aufgefordert die Glocken, an die Rüstungsindustrie zu übergeben.

Jedoch durfte jede Gemeinde eine „Läuteglocke“ behalten, dies musste die kleinste sein.

Glockenweihe nach dem Ersten Weltkrieg, 1923

Glockenweihe nach dem Ersten Weltkrieg, 1923 (Gemeindearchiv Lermoos)


Auch Lermoos musste seine Glocken vom Turm herunternehmen und den Nationalsozialisten übergeben. Erst einige Zeit nach dem Krieg, 1954 wurde ein neues Geläut angeschafft. Die Kirchenglocken wurden von der Innsbrucker Glockengießerei Grassmayr gegossen und am 21. Mai 1955 feierlich eingeweiht.

Glockenweihe, am 21. Mai 1955 am Kirchplatz

Glockenweihe, am 21. Mai 1955 am Kirchplatz (Gemeindearchiv Lermoos)


Frieden

Heute können wir auf die Geschichte des Zweiten Weltkrieges und Nationalsozialismus in unserer Heimat Lermoos zurückblicken. „Geschichte“ ist das, was bereits geschehen ist und keine Umkehr hat. Wir können also sagen, dass die Wörter „Geschichte und Geschehen“ zwei eng miteinander verbundene Wörter sind und als „abgeschlossen“ betrachtet werden können. In der heutigen Zeit ist es nicht mehr notwendig, den Zeigefinger zu heben und schon gar nicht auf die Mitwirkenden von damals – Opfer, Täter, Zeugen.

Mit dem Kriegsende 1945 schließt sich auch das Geschichtsbuch „Lermoos im Nationalsozialismus und die Geschehnisse des Zweiten Weltkrieg“ – es gehört also der Vergangenheit an und dort soll es auch bleiben. Aber es ist notwendig, die Geschichte eines Ortes aufzuarbeiten und der Frage „Wie war es damals?“ nachzugehen und eine ehrliche und klare Antwort zu geben. Ingeborg Bachmann, eine österreichische Schriftstellerin bringt es mit ihrer Aussage auf den Punkt „Die Wahrheit ist den Menschen zumutbar“.

Wir können aus der Vergangenheit nur lernen und die Zukunft besser gestalten. Daher wird seit jener Zeit versucht, den FRIEDEN auf der Welt, in Europa, in Österreich, in Tirol und in Lermoos zu wahren. Und wir können nur appellieren, hoffen und alles daransetzen, dass auch weiterhin der FRIEDE bestehen bleibt.

Frieden kannst du nur haben, wenn du ihn gibst! (Marie von Ebner-Eschenbach)


Frieden



Quellen: 

  • Archiv der Gemeinde Lermoos
  • Moser, H. (2004). Lermoos