
Einmarsch der Amerikaner im Außerfern
Mit dem Einmarsch der US-amerikanischen und französischen Truppen in Tirol wurde die NS-Diktatur beendet. Als die amerikanischen Soldaten am 28. April 1945 über Vils in unsere Heimat einmarschierten, war das Außerfern militärisch unvorbereitet. Es waren weder gut ausgebildete Soldaten, noch effektive Verteidigungsanlagen, noch genügend Kriegsgeräte vorhanden. Trotzdem wollte die SS (Schutzstaffel) den erst zwei Tage vor Hitlers Selbstmord erhaltenen Befehl ausführen und eine Alpenfestung errichten. Es blieb zu wenig Zeit, um die Planung umzusetzen. Es wurden zwar Vorbereitungen zur Sprengung von mehreren Brücken eingeleitet, jedoch war dies zwecklos.
Die Amerikaner waren schon zu weit vorgerückt und nahmen das Außerfern ein. Der Vormarsch der US-Soldaten wurde durch den Kaltlufteinbruch mit Schneefall erschwert. Da sie bereits bis nach Lermoos vorgedrungen waren, wurden hier Fahrzeuge, Geschütze und Panzer gelagert.
Eine durchgeführte Zwangsräumung von Lermooser Häusern sollte den Soldaten Unterkunft bieten und sie vor Kälte und Nässe schützen. Matratzen und Federbetten wurden zur Isolierung von Panzern und Fahrzeugen verwendet. Die noch vorhandenen Lebensmittelbestände und Ausrüstungsgegenstände, die die deutsche Wehrmacht in Lermoos zurückgelassen hatte, wurden alle von den US-Soldaten verbrannt. Dies hinterließ bei den Lermoosern einen negativen Eindruck. Jedoch zeigten sich die Amerikaner als freundlich und halfen den Dorfbewohnern mit ihren eigenen Beständen und gaben so manchen Familien etwas ab. Die Kinder und Jugendlichen erhielten Süßigkeiten und Kaugummis, die sehr begehrt waren.
Die amerikanischen Pioniere zogen bald weiter über den Fernpass und versuchten alle abgesprengten Straßenteile instand zu setzen und den Widerstand der deutschen Soldaten zu brechen.

44. Infantry Division US-Soldaten (Gemeindearchiv Lermoos)
Eine Zeitzeugin erzählt:
„Als die Amerikaner ins Dorf kamen, klopften sie an verschiedenen Häusern und befahlen den Menschen bis abends die Häuser zu verlassen. Sie waren auch bei uns und sagten in einem gebrochenen Deutsch, dass wir bis abends das Haus geräumt haben müssen. Meine Mama kratzte sich während des Gespräches mit den Soldaten immer wieder am Kopf und schnalzte anschließend mit den Fingernägeln. Immer wenn meine Mama nervös war, begann sie sich am Kopf zu kratzen. Sie bemerkte, wie die Amerikaner ganz entsetzt und komisch schauten, weil sie sich immer wieder an den Kopf griff und umso mehr begann sie sich am Kopf zu kratzen. Das war eine unbewusste Angewohnheit von ihr, das sie immer nur machte, wenn sie nervös war. Die Soldaten gingen wieder. Meine Mama lief umgehend zum Nachbar hinüber und fragte diesen, ob wir bei ihnen unterkommen könnten. Dieser meinte aber, er habe keinen Platz für sie und die Familie. Sie müsse sich woanders umschauen. Er kann uns nicht aufnehmen, obwohl er genug Platz gehabt hätte, wenn wir zusammengerückt wären. Sie wartete bis abends ab, denn eine Bleibe für uns fand sie in der näheren Umgebung und in so kurzer Zeit nicht.
Und dann kam doch alles anders. Am Abend stand plötzlich der Nachbar, der uns zuvor nicht aufnehmen wollte, mit seinem Bettzeug unterm Arm vor unserer Haustüre. Er bat uns, ihn und seine Familie bei sich aufzunehmen. Sie mussten das Haus räumen, die Amerikaner haben ihr Haus eingenommen. Meine Mama verneinte natürlich nicht. Sie war eine herzensgute Frau und half jedem und nahm die Familie auf, solange die Amerikaner in deren Haus wohnten. Er erzählte, dass die Amerikaner vor seiner Haustüre standen und meinten, dass er bis abends das Haus geräumt haben muss, denn bei der Nachbarin wohnen kleine Tierchen, dort könnten sie nicht einziehen. Da meine Mama sich stark am Kopf kratzte, als die Soldaten vor unserer Türe standen und immer wieder mit den Fingernägeln schnalzte, glaubten diese in unserem Haus wären Läuse und bezogen erst gar nicht unser Haus. Wir hatten großes Glück und konnten in unserem Haus bleiben. Jedoch musste dafür der Nachbar sein Haus räumen.“

Lermoos mit Zugspitze (Gemeindearchiv Lermoos)
Tiroler Zugspitzbahn – Radarstation der Nationalsozialisten
Die Nationalsozialisten errichteten auf der Bergstation der Zugspitze eine Radarstation, um erfolgreich anfliegende Bomberverbände orten zu können. Flieger, die München ins Visier nahmen, konnten somit sofort gemeldet werden. Am 20. April 1945 gegen 17:45 Uhr griffen zwei amerikanische mittelschwere Bomber die Tiroler Zugspitzbahn in Ehrwald an. Das Hotel neben der Talstation wurde getroffen, eine Person wurde schwer und drei leicht verletzt. Die übrigen im Hotel befindlichen Personen hatten sich bereits zuvor in den nahegelegenen Wald in Sicherheit gebracht. Die Talstation der Zugspitzbahn, sowie die Seilbahn blieben von den Kampfhandlungen verschont. Zwar wurde das Tragseil getroffen, aber nicht ernsthaft beschäftigt, sodass die Tiroler Zugspitzbahn unmittelbar nach Kriegsende ihren Betrieb wieder aufnehmen konnte.
Geheimdienstmeldungen zur Folge plante Hitler seinen Geburtstag auf dem höchsten Berg Deutschlands zu feiern. Dies erwies sich jedoch als Falschmeldung.
Die US-Soldaten hatten nach den Kampfhandlungen die hochmoderne Radarstation der Nationalsozialisten, auf dem Gipfel der Zugspitze komplett und bis zur letzten Schraube abgebaut und mit in die USA genommen.

Tiroler Zugspitzbahn mit Hotel (Gemeindearchiv Lermoos)

Tiroler Zugspitzbahn mit Hotel (Gemeindearchiv Lermoos)

Tiroler Zugspitzbahn (Gemeindearchiv Lermoos)
Besatzungsmächte: Kommando-Übergabe an die Französische Armee
Nachdem der Zweite Weltkrieg für beendet erklärt wurde, wurde Österreich von 1945-1955 von den amerikanischen, französischen, britischen und russischen Besatzungsmächten okkupiert. In Tirol und in unserer Heimat Lermoos waren französische Soldaten stationiert.
Die Besatzungszeit hatte den Wiederaufbau und den Alltag der Lermooser stark beeinflusst und geprägt. Tirol war in der glücklichen Lage, dass die Franzosen die Traditionen und die Rolle der katholischen Kirche akzeptierten und die gesellschaftlichen und kulturellen Eigenheiten des Landes schätzten.
Für Lermoos gestaltete sich die Kommando-Übergabe der Amerikaner an die Franzosen als schwierig. Während der Angriffe auf die SS (Schutzstaffel) brachte sich die französische Armee hinter den Amerikanern in Stellung. In unserem Gebiet wurden vom französischen Oberkommando Hilfstruppen aus Marokko stationiert. Diese machten sich vor allem durch Plünderungen und Vergewaltigungen einen äußerst schlechten Ruf und zogen scharfe Kritik auf sich. Über diese Verbrechen, insbesondere jene in unserer Heimat, wurde damals ein Mantel der Verschwiegenheit gelegt. Auch einzelne Familien aus Lermoos waren betroffen. Die Frauen, die vergewaltigt wurden, verschlossen sich und erzählten kaum jemandem davon. Dieser eine Moment veränderte ihr ganzes Leben für immer.
Die französische Besatzungsmacht begann gleich nach dem Eintreffen in Lermoos mit der Entnazifizierung.

Französische Besatzungstruppen in Lermoos - 25. April 1945 (Gemeindearchiv Lermoos)

Französische Besatzungstruppen in Lermoos - 25. April 1945 (Gemeindearchiv Lermoos)
Quellen: