Station 11 - Vereinsleben

Station 11 - Vereinsleben

Hitlerjugend in Lermoos

Das Regime beschränkte sich keineswegs auf etablierte Wirtschaftskräfte, sondern widmete sich besonders der Jugend und der Zukunft des deutschen Reiches. So wurde von Hitler ein eigenes Programm für die Jugend entwickelt, um sie von Kindheit an „auf Führer und Partei auszurichten". Mit Spiel, Sport, Wettbewerben und kulturellen Aktivitäten, wie Musik, Theater, usw. wurden die Jugendlichen für den Nationalsozialismus begeistert. 

Im Alter von zehn Jahren konnten die Mädchen und Buben in die „Hitlerjugend“ eintreten. Jedoch stand die Jugendorganisation auch in Konkurrenz zu traditionellen Erziehungsinstanzen wie der Schule und dem Elternhaus, was zu Konflikten führte. Die Kinder mussten einen Eid ablegen, um der Hitlerjugend beitreten zu dürfen: 

Ich verspreche, in der Hitler-Jugend allzeit meine Pflicht zu tun in Liebe und Treue zum Führer und unserer Fahne.“ 


Die Hitlerjugend ist die nationalsozialistische Jugendorganisation samt ihrer Untergliederung. Es gab das Deutsche Jungvolk für zehn- bis vierzehnjährige Jungen, sowie die Hitlerjugend für vierzehn- bis achtzehnjährige Jungen. Die Mädchen von zehn bis vierzehn traten in den Jungmädelbund ein, danach zum Bund der Deutschen Mädel.

Auch in Lermoos gab es eine Hitlerjugend, was aus den Gemeinderatsprotokollen hervorgeht. Dort wurden einige Entscheidungen über die Hitlerjugend beschlossen. So steht im Protokoll:

Über Ansuchen der H.J. der Überlassung bzw. Beschaffung von Turngeräten wird beschlossen, der H.J. 100 RM zu bewilligen, d.h. für diesen Betrag Turngeräte zu beschaffen.“ 

Über Ansuchen der Kreishitlerjugendführung wird der H.J. das Lokal im Keller des Schrilhauses als H.J.-Lokal überlassen."LermoosLermoos (Gemeindearchiv Lermoos)


Nationalsozialistische Volkswohlfahrt & Winterhilfswerk

Die Nationalsozialistische Volkswohlfahrt war eine Einrichtung der NSDAP und kümmerte sich hauptsächlich um Gesundheitsprogramme, um die Wohlfahrt der Bevölkerung und setzte sich sozialführsorglich ein. Die Hauptaufgabe war es nicht, sich um die Fürsorge eines einzelnen zu kümmern, sondern die rassistisch definierte Volksgemeinschaft zu stärken.

Die Fürsorge beschränkte sich allerdings nur auf das „gesunde Volk“. Alkoholiker, entlassene Sträflinge und „Asoziale“ wurden als „Hoffnungslose Fälle“ betitelt und galten in der Nationalsozialistischen Volkswohlfahrt als wertlos.

Die Nationalsozialistische Volkswohlfahrt war auch in Lermoos vertreten und wurde im Haus Felsenheim (heute Ansitz Felsenheim) untergebracht. Die Leiterin war damals Frau Katharina Schneider. Sie stammte aus Köln und wurde von der Gauleitung eingesetzt.

Die Gemeinde musste eine Spende an die Hitlerjugend und die Nationalsozialistische Volkswohlfahrt entrichten. Im Gemeindeprotokoll ist zu lesen:

Die Verwaltung der Kreisleitung Amt für Volkswohlfahrt, sowie die H.J. (Einweihung des Bannes 575) in Reutte ist an die Gemeinde wegen Leistung von Spenden und Beiträgen herangetreten. Es wird beschlossen, für die Verwaltung eine Winterhilfsspende von RM 100.- für die Volkswohlfahrt Reutte 200.- und für die Hitlerjugend in Lermoos RM 120.- zu leisten." 

Das Winterhilfswerk war eine unabhängige Organisation, jedoch personell mit der Nationalsozialistischen Volkswohlfahrt verbunden. Es war ein Unternehmen des Propagandaministeriums, welches immer wieder unterschiedliche Spendenaktionen von verschiedenen Organisationen, wie der Hitlerjugend oder der Wehrmacht durchführen ließ. Die „Volksgemeinschaft“ wurde darin bestärkt, dass Haussammlungen und -besuche stattfanden.

Haus Felsenheim

Haus Felsenheim (Gemeindearchiv Lermoos)


Vereine im Nationalsozialismus

Die Vereine übten zu Beginn des Nationalsozialismus weiterhin ihre Funktionen aus. Jedoch war es im Allgemeinen üblich, dass in den Vereinssatzungen ein Arierparagraph aufgenommen werden musste. Auch das Außerfern war hiervon nicht verschont geblieben. Es gab keine Ausnahmen, sondern in ganz Österreich galt die gleiche Regelung. So musste in den Statuten Folgendes mitaufgenommen werden: 

„… als Mitglied des Vereines kann jede Person aufgenommen werden, welche das 18. Lebensjahr überschritten hat, guten Rufes sowie arischer Abstammung ist und sich als Angehörige des deutschen Volkes erklärt.“


In manchen Vereinssatzungen stand auch die Klausel: „Nicht Arier sind von der Aufnahme gänzlich ausgeschlossen.“

Jedoch kann man sagen, dass diese Paragrafen eigentlich nur auf dem Papier geschrieben und kaum beachtet wurden. Wer schaute in solch kleinen Vereinen, wie es damals in Lermoos gab, auf die Regelungen, die in den Vereinsstatuten niedergeschrieben wurden?

Während des Zweiten Weltkrieges wurden die Vereinstätigkeiten, wie im Skiklub, in der Feuerwehr, den Schützen und der Musikkapelle eingestellt.


Schützenkompanie Lermoos

Die Schützenkompanie Lermoos übte ihre Tätigkeiten bis zum 12. März 1938 aus und wurde dann von den Nationalsozialisten aufgelöst. Während des Zweiten Weltkrieges wurden viele Mitglieder in den Krieg eingezogen. Sogar gegen Ende des Krieges 1945 wurden noch einige Männer der Lermooser Schützenkompanie Richtung Reutte beordert, um den letzten Widerstand gegen die Amerikaner zu leisten. Erst 1952 wurde der Verein wieder aktiv.

Schützenkompanie Lermoos 1954

Schützenkompanie Lermoos 1954 (Gemeindearchiv Lermoos)


Schützenkompanie Lermoos 1954

Schützenkompanie Lermoos 1954 (Gemeindearchiv Lermoos)


Feuerwehr Lermoos

Die Feuerwehr Lermoos übte auch während des Zweiten Weltkrieges ihren Dienst so gut es ging aus. Leider war die Mannschaft aufgrund des Einzugs der Männer und der Gerätschaft stark reduziert worden. Sie hatten zu dieser Zeit eine Bewährungsprobe zu bestehen, denn zwischen 1930 und 1940 ereigneten sich zwei große Brände, einer im Gasthaus „Zur schönen Aussicht“ (heute Hotel Bellevue) und einer im Hotel „Post“. 1937/1938 erforderte dann noch ein Hochwasser den vollen Einsatz der Feuerwehr. Während des Krieges wurden Frauen für etwaige Einsätze ausgebildet, damit diese in Notsituationen die fehlenden Männer ersetzen konnten.

Feuerwehr mit Pumpe 1887

Feuerwehr mit Pumpe 1887 (Gemeindearchiv Lermoos)


Musikkapelle Lermoos

Auch die Musikkapelle wurde zu Beginn des Nationalsozialismus 1938 aufgelöst. Die Nationalsozialisten beschlagnahmten das Eigentum der Kapellen, damit sie nicht ausrücken oder Proben konnten. Nur zu Anfangs- und Aufstiegszeiten des Nationalsozialismus durfte die Musikkapelle bei Feierlichkeiten zu Ehren Hitlers aufspielen, danach nicht mehr. Während des Zweiten Weltkrieges waren auch viele Männer im Krieg und die Kapelle wäre nicht spielfähig gewesen. Erst 1946 fanden sich die Mitglieder der Musikkapelle wieder zusammen und begannen wieder mit ihren Proben.

Musikkapelle Lermoos

Musikkapelle Lermoos (Gemeindearchiv Lermoos)


Musikkapelle Lermoos

Musikkapelle Lermoos (Gemeindearchiv Lermoos)


Skiklub Lermoos

So wie die anderen Vereine musste auch der „Wintersportverein Lermoos“ während der Zeit des Nationalsozialismus seine Tätigkeit einstellen. Im Jahre 1937 wurde von Paul Simon, Othmar Koch und Tobias Hofherr die Idee ins Leben gerufen, eine Vereinshütte auf dem Grubigstein zu errichten. Viele freiwillige Helfer beteiligten sich am Bau der Skihütte. Leider mussten während des Nationalsozialismus die Bauarbeiten eingestellt werden, da auch dieser Verein durch die Nationalsozialisten aufgelöst wurde. Im Jahre 1946 wurde die Hütte allerdings fertiggestellt und 1947 eingeweiht. Nach dem Krieg wurde am 23. November 1947 erstmals wieder eine Jahreshauptversammlung abgehalten, bei der Erich Hundertpfund zum Obmann gewählt wurde. Bei dieser Zusammenkunft mussten die Statuten umgeändert und auch der Vereinsname von „Wintersportverein Lermoos“ auf „Schiclub Lermoos“ abgeändert werden.

Bau der Skihütte am Grubigstein

Bau der Skihütte am Grubigstein (Gemeindearchiv Lermoos)


Skiklubhütte am Grubigstein

Skiklubhütte am Grubigstein (Gemeindearchiv Lermoos)


Einweihung der Skihütte am Grubigstein

Einweihung der Skihütte am Grubigstein (Gemeindearchiv Lermoos)


Skifahrer

Skifahrer (Gemeindearchiv Lermoos)


Quellen: 

  • Archiv der Gemeinde Lermoos
  • Galanda, B., Eppel, P., Ganglmair, S., Klamper, E. & Neugebauer, W. (1984). Widerstand und Verfolgung in Tirol 1934-1945. Wien: Österreichischer Bundesverlag.
  • Gemeindeprotokolle der Gemeinde Lermoos
  • Kammer, H. & Bartsch, E. (2002). Lexikon Nationalsozialismus. Begriff, Organisationen und Institutionen. Hamburg: Rohwolt.
  • Moser, H. (2004). Lermoos.